Ein Baukran hebt ein großes Bauteil auf einer Baustelle, umgeben von Baugerüsten und Arbeitern in Sicherheitswesten.
Serielle Sanierung als Lösungsansatz (Quelle: Redaktion MouSe)

Serielles Sanieren 2025-07-09T12:44:00.203Z Wenn 2,5 Tonnen fliegen lernen: wie serielle Sanierung auf der Baustelle aussieht

Gebäudebestand energieeffizient und zukunftssicher zu machen, ist eine der großen Herausforderungen der Wärmewende. Serielle Sanierung bietet hier interessante Lösungsansätze. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte die Veranstaltung „Energiesprong on Tour“ mit Beispielen in Düsseldorf.

„Wir wollen als Motor zur Verfügung stehen“, sagte Daniel Sieveke, Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, in seinem Grußwort zur Veranstaltung „Energiesprong on Tour“. Das Format der Deutschen Energie-Agentur (dena) bringt Akteure aus Politik, Wohnungswirtschaft und Planung zusammen, um serielle Sanierungskonzepte vor Ort erlebbar zu machen und den fachlichen Austausch zu fördern.

Ein zentrales Element der Veranstaltung war die Besichtigung zweier Sanierungsstandorte in Düsseldorf: dem Corelli-Quartier und der Lönssiedlung. Beide zeigen, wie Gebäude durch industrielle Vorfertigung und standardisierte Prozesse energieeffizient modernisiert werden können – mit unterschiedlichen baulichen Voraussetzungen und in verschiedenen Projektstadien.

Am Corelli-Quartier wurde ein bereits fertig saniertes Wohnhaus präsentiert. Ein besonderes Highlight war die Montage eines rund 2,5 Tonnen schweren Fassadenelements mithilfe eines Krans – die sogenannte „fliegende Fassade“. Sie wurde präzise im Erdgeschoss positioniert, wobei bestehende Fensteröffnungen berücksichtigt werden mussten. Die vormals verbaute Vorhangfassade war zuvor entfernt worden. Das Beispiel machte deutlich, dass serielle Sanierung auch ohne umfangreiche haustechnische Eingriffe auskommen kann, wenn die baulichen Gegebenheiten es erlauben.

Die langlebige graue Mineralfassade des Corelli-Projekts ist wartungsarm und muss nicht nachbehandelt werden. Die Bauverantwortlichen zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis. Auch die Reaktionen der Mietenden fielen überwiegend positiv aus – trotz notwendiger Kostenbeteiligung an der Sanierung.

Eine moderne Wohnanlage mit mehreren Stockwerken und einem Kran im Hintergrund an einem sonnigen Tag.
Fertig gestellter Wohnkomplex mit Mineralanstrich (Quelle: Redaktion MouSe)

Zweiter Halt Lönssiedlung – 19 Gebäude in 14 Monaten

Ein weiterer Besichtigungspunkt war die Lönssiedlung, ein Sanierungsprojekt mit insgesamt 19 Gebäuden, die innerhalb von nur 14 Monaten modernisiert wurden. Die Maßnahmen gelten als „minimalinvasiv“ und zeigen, dass auch größere Ensembles in kurzer Zeit seriell saniert werden können. Für kleinere Objekte kamen andere Materialien wie Fichtenholz zum Einsatz, was den flexiblen Charakter serieller Konzepte unterstreicht.

Nach den Baustellenrundgängen berichteten Fachleute aus der Praxis: Stefan Huf (Holzunion) stellte das Konzept seines Unternehmens vor, Michael Langkau von Saint-Gobain pre.formance ergänzte um Erfahrungen aus dem Bereich der Systemlösungen. Zur Sprache kamen auch Herausforderungen, etwa die Kommunikation mit Mietenden, die Integration von Kellerabgangstreppen oder strukturelle Veränderungen durch zusätzliche Dämmmaßnahmen.

Zum Abschluss wurde das Drei-Phasen-Modell einer seriellen Sanierung erläutert:

  • Machbarkeitsphase (4–8 Wochen): Erste Analyse des Objekts und Prüfung der Eignung

  • Bauteamphase (ca. 6 Monate): Konzeption und Angebotserstellung durch ein interdisziplinäres Team

  • Ausführungsphase (ca. 12 Wochen): Umsetzung mit vorgefertigten Elementen auf der Baustelle

Die vorgestellten Projekte gaben Einblicke in unterschiedliche Herangehensweisen und Abläufe serieller Sanierung. Deutlich wurde, dass standardisierte Prozesse zur Effizienzsteigerung beitragen können – ihre Umsetzung ist jedoch stets an die jeweiligen Rahmenbedingungen und Projektkontexte gebunden.

zuletzt editiert am 11. Juli 2025