Ein freundlich lächelnder Mann mittleren Alters trägt einen blauen Anzug, ein hellblaues Hemd und eine bordeauxrote Krawatte. Das Porträt zeigt ihn vor einem unscharfen, grünen Hintergrund im Freien. Axel Gedaschko, Präsident des GdW
Axel Gedaschko, Präsident des GdW (Quelle: GdW, (c) Ritter Consult)

Unternehmen & Märkte 2026-11-05T10:57:09.060Z Bau-Turbo: GdW sieht ungenutzte Potenziale

Das Instrument Bau-Turbo könne Verfahren deutlich verkürzen, komme bislang aber laut GdW-Befragung nur bei einem kleinen Teil der Wohnungsunternehmen zum Einsatz. Anwendungshilfen und politischer Rückhalt gefordert.

Ein Jahr nach Einführung des Bauturbos zieht der Spitzenverband GdW eine gemischte Bilanz: Das Instrument könne Verfahren deutlich verkürzen, komme bislang aber nur bei einem kleinen Teil der vom Spitzenverband GdW befragten Wohnungsunternehmen zum Einsatz. Damit aus schnelleren Genehmigungen mehr bezahlbare Wohnungen werden, müssten Bund, Länder und Kommunen jetzt die Bau- und Finanzierungskosten senken und die Anwendung vor Ort erleichtern, heißt es in einer Pressemitteilung des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. von vergangenem Dienstag.

Eine informative Infografik des GdW zur Bauturbo-Umfrage, die aufzeigt, dass trotz eines potenziellen Zeitgewinns von 13 Monaten nur 8 Prozent der Wohnungsunternehmen den Bauturbo in Genehmigungsverfahren anwenden.
Quelle: KI-generiert, GdW-Umfrage

„Eine Baugenehmigung bietet noch niemandem ein Zuhause. Fakt ist: Der Bau-Turbo kann wertvolle Zeit sparen. Aber solange sich bezahlbare Wohnungen nicht bezahlbar bauen lassen, bleibt sein Versprechen unerfüllt“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. „Die Politik muss den Erfolg ihrer Wohnungspolitik daran messen lassen, ob Menschen tatsächlich eine Wohnung finden, die sie bezahlen können.“

Nur rund acht Prozent der sozial orientierten Wohnungsunternehmen berichteten im Rahmen einer GdW-Umfrage im September 2026, dass der Bau-Turbo bereits in einem konkreten Genehmigungsverfahren ihres Unternehmens angewendet wurde, heißt es weiter in der Mitteilung. Rund 92 Prozent verneinten dies. Zugleich würden die berichteten Erfahrungen das Potenzial belegen: Die Genehmigungsdauer lag im Mittel bei drei Monaten. Den Beschleunigungseffekt für ihr Vorhaben schätzten die Unternehmen auf durchschnittlich 13 Monate. Rund 31 Prozent der befragten Wohnungsunternehmen beabsichtigen, den Bauturbo bei weiteren Vorhaben zu nutzen, so die Mitteilung. Bei knapp 48 Prozent sei dies noch ungewiss.

„Ein Zeitgewinn von mehr als einem Jahr kann für ein Bauvorhaben entscheidend sein. Dieses Potenzial darf nicht ungenutzt bleiben. Kommunen brauchen klare Anwendungshilfen und den politischen Rückhalt, die neuen Möglichkeiten konsequent einzusetzen“, sagt Gedaschko.

Der GdW fordert:

  • Bezahlbaren Neubau finanzierbar machen: durch dauerhaft niedrige, verlässliche Förderzinsen und eine langfristig planbare Förderung. Neben dem sozialen Wohnungsbau braucht auch das mittlere Mietpreissegment wirksame Unterstützung.
  • Baukosten durch einfachere Standards senken: Ein rechtssicherer Basisstandard und die praxistaugliche Absicherung des Gebäudetyps E müssen einfaches, gutes und kostengünstiges Bauen ermöglichen. Serielles und modulares Bauen muss leichter in die breite Anwendung kommen.
  • Bezahlbarem Wohnungsbau wirksamen Vorrang geben: mit einer verbindlichen „Fast Lane“, die auch konkrete Bauvorhaben erreicht, digitalen Verfahren und weniger Prüf- und Dokumentationsaufwand. Aufstockung, Nachverdichtung und Umnutzung müssen einfacher werden.

„Unsere Unternehmen wollen Wohnungen bauen, die sich auch Menschen mit normalen Einkommen leisten können. Dafür brauchen sie Bedingungen, unter denen sich diese Projekte rechnen. Die Lösungen liegen seit Langem auf dem Tisch. Jedes weitere Jahr des Zögerns verlängert die Wohnungssuche und verschärft den Druck auf den Wohnungsmärkten weiter“, so Gedaschko.

Web: GdW - Die Wohnungswirtschaft Deutschland

zuletzt editiert am 05. November 2026
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