Hauptmotiv: Eine stehende Person im Business-Casual-Outfit (dunkelblauer Blazer, weißes Hemd, Jeans) mit verschränkten Armen vor einem modernen, leicht unscharfen Innenraum.
Quelle: Prof. Dr. Michael Simon

Serielles Sanieren 2026-06-23T13:34:40.541Z Warum zirkuläres Sanieren mehr ist als Recycling

Zirkuläres Sanieren – ein anspruchsvoller Ansatz, der über das klassische Recycling hinausgeht. Prof. Dr. Michael Simon, Experte auf diesem Gebiet (u.a. Sachverständiger Nachhaltiges Bauen (STI) und Professur Ressourceneffizientes Planen, Bauen und Betreiben von Immobilien) und Referent eines Seminars zum Thema, teilt in diesem Interview seine persönlichen Motive, beeindruckende Aha-Momente und seine Sicht auf die Zukunft dieser nachhaltigen Bauweise. Er erklärt, warum der Werterhalt im Gebäudebestand eine kaufmännische Schlüsselrolle spielt und wie praxisnahe Konzepte das Sanieren revolutionieren können.

Was hat Sie dazu motiviert, sich mit diesem Thema zu beschäftigen? Gab es für Sie einen „Aha-Moment“?

Mich beschäftigt seit vielen Jahren die Frage, wie wir den Gebäudebestand zukunftsfähig weiterentwickeln können, ohne dabei unnötig Ressourcen zu verbrauchen. Ein prägender Aha-Moment war für mich die Erkenntnis, dass im Bestand häufig bereits ein erheblicher materieller Wert vorhanden ist, der in klassischen Sanierungsprozessen noch zu selten konsequent mitgedacht wird. Zirkuläres Sanieren bedeutet für mich daher, Bestandsimmobilien nicht nur energetisch oder funktional zu ertüchtigen, sondern sie zugleich als kaufmännische Größe zu begreifen.

Gibt es Missverständnisse oder Mythen in Ihrem Themenfeld, die Sie gerne aufklären würden?

Ein häufiges Missverständnis ist, dass zirkuläres Sanieren sich auf Recycling beschränke. Tatsächlich beginnt Zirkularität deutlich früher: beim Erhalt nutzbarer Bauteile, bei intelligenter Planung, bei Umnutzung, Rückbaukonzepten, Materialtransparenz und der Frage, wie wir Gebäude so weiterentwickeln, dass auch künftige Anpassungen leichter möglich werden.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Themas in den nächsten Jahren?

Ich bin überzeugt, dass das Thema in den kommenden Jahren stark an Bedeutung gewinnen wird. Der Druck aus Klimaschutz, Ressourcenschonung, Materialknappheit und steigenden Kosten wird weiter zunehmen.

Zum Seminar selbst: Arbeiten Sie eher praxisnah mit Fallbeispielen oder liegt der Schwerpunkt auf Theorie?

Offen und ehrlich - BEIDES. Ich halte es für wichtig, dass Teilnehmende Konzepte und Zusammenhänge kennenlernen, als auch vor allem verstehen, wie sich diese in realen Bestandsprojekten anwenden lassen. Deshalb arbeite ich bevorzugt mit Praxisbezug, typischen Entscheidungssituationen, häufigen Zielkonflikten und anwendungsnahen Beispielen.

Wie würden Sie diesen Satz vervollständigen? Wer an dem Seminar teilgenommen hat, …

… kann zirkuläre Ansätze im Sanieren von Bestandsimmobilien fundierter einordnen und für eigene Projekte eine kaufmännische Perspektive abgewinnen.

Vielen Dank für das Interview.

Vita Prof. Dr. Michael Simon

Prof. Dr. Michael Simon ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Simon + Savas Ingenieurgesellschaft mbH in Frankfurt am Main sowie Professor für ressourceneffizientes Planen, Bauen und Betreiben von Immobilien an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Er studierte Bauingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften und promovierte im Bereich Baumanagement an der University of Dundee. Berufliche Stationen führten ihn in Unternehmen der Bau- und Immobilienwirtschaft, zur Fraunhofer-Gesellschaft, zur KfW Bankengruppe und als Leiter des Amts für Bau und Immobilien der Stadt Frankfurt am Main. 2020 gründete er gemeinsam mit Gamze Savas die Dr. Simon + Savas Ingenieurgesellschaft mbH. Seitdem begleitet er Unternehmen der Bau-, Gebäude- und Immobilienwirtschaft in Fragen der nachhaltigen Bestandsentwicklung über den gesamten Lebenszyklus von Immobilien hinweg.

Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in der nachhaltigen Bestandsentwicklung, Dekarbonisierung, Klimaresilienz und Zirkularität. Im Kontext von seriellem Sanieren beschäftigt er sich insbesondere mit der Verbindung von digitaler Bestandsaufnahme, modularer Vorfertigung, Materialtransparenz und Wiederverwendung als Bausteinen einer ressourceneffizienten Transformation des Gebäudebestands.

zuletzt editiert am 23. Juni 2026
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