Im Rahmen des „Pakts für den Bevölkerungsschutz“ sind große Investitionen in die Rettungsinfrastruktur geplant. Teilweise bieten sich modulare Rettungswachen hier als Lösung an.
Der deutsche Rettungsdienst modernisiert seine Strukturen und Prozesse, um seine Einsatzfähigkeit nachhaltig zu stärken. Die Maßnahmen reichen von der Einbindung von Tele-Notärzten in Rettungswagen über innovative Robotersysteme zur Unterstützung der Feuerwehr in komplexen Einsatzlagen bis hin zu mobilen Rettungswachen zur Verkürzung der Reaktionszeiten.
So müssen zum Beispiel entsprechend einer aktuellen Vorschrift in Baden-Württemberg die Notfallreaktionszeiten verringert werden. Statt des bisherigen 15-Minuten-Zeitfensters haben die Rettungseinheiten nun nur noch zwölf Minuten Zeit, den Einsatzort zu erreichen. Hier können mobile Rettungswachen eine Lösung sein. „Modulare Rettungswachen eignen sich ideal, um den Bedarf der deutschen Notfalldienste, Feuerwehren und Polizeibehörden an schnell verfügbaren und einsatzbereiten Gebäuden zu decken. Es gibt sie sowohl als temporäre als auch als permanente Lösungen“, so Andreas Becher, Key Account Manager West bei Portakabin. „Ein weiterer wichtiger Aspekt einer modularen Rettungswache ist deren problemlose Versetzung. Dies bedeutet nur sehr geringe Unterbrechungen, wenn sich die Anforderungen an Ihrem Einsatzort ändern.“
Der Anbieter hat über 30 Rettungsstationen in Deutschland mit mobilen Lösungen ausgestattet. Eine davon steht in der Gemeinde Gemeinde Sontheim/Bren beim ASB Baden-Württemberg e.V. „Der Aufbau der Rettungswachen wurde innerhalb eines einzigen Tages von einem gut organisierten Team abgeschlossen„, beschreibt Adrian Seipold-Haller, Leiter Rettungsdienst, Arbeiter-Samariter Bund Baden-Württemberg e.V. Region Ulm, Alb-Donau, Heidenheim, Aalen. „Kurzfristige Änderungsanträge wurden berücksichtigt und umgehend umgesetzt. Dank des modularen Designs kann die Größe an die individuellen Bedürfnisse jeder Rettungswache angepasst werden.“
6,1 Millionen Euro für Karlsruhe
Bei einem Treffen zwischen der Regierungspräsidentin des Verwaltungsbezirks Karlsruhe, Sylvia M. Felder, und Vertretern von ASB Baden-Württemberg e.V., DLRG Baden e.V. und DRK Baden-Württemberg e.V. wurde verkündet, dass allein hier rund 6,1 Millionen Euro staatlicher Mittel für neue und verbesserte Rettungsstationen investiert werden sollen. Diese Mittel sollen zur Finanzierung Kosten folgender Projekte beitragen:
- eine neue Rettungswache in Karlsruhe-Durlach sowie die Erstausrüstung an diesem Standort
- Beschaffung weiterer Rettungsausrüstung
- Verbesserungen der Ausstattung der Rettungswachen Bühl, Gernsbach, Mannheim-Parkring und Weinheim sowie an den Wasserrettungswache Höpfingen und Walldürn
- Erweiterung der Rettungswache in Mannheim-Parkring
Sylvia M. Felder stellt fest: „Die Erweiterung bestehender und der Bau neuer Rettungswachen sind für eine moderne medizinische Notfallversorgung von entscheidender Bedeutung. Umso erfreulicher ist es, dass wir in diesem Jahr zehn Projekte im Regierungsbezirk Karlsruhe mit rund 6,1 Millionen Euro unterstützen können. Dies wird die medizinische Notfallversorgung für unsere Bürgerinnen und Bürger weiter verbessern.“
Telemedizin, Roboter und neue Nummern
Im Rahmen des sogenannten „Pakts für den Bevölkerungsschutz“, für den der Bund zehn Milliarden Euro vorgesehen hat, sind auch Investitionen in anderen Bundesländern geplant. So hat sich Eurofunk in Bayern mit der GS Elektromedizinische Geräte G. Stemple GmbH zusammengetan, um Tele-Notärzte zusätzlich zu den in der Region befindlichen Rettungswachen einzuführen. Tele-Notärzte sollen helfen, die Lücke zu füllen, wenn kein Arzt persönlich an Bord ist, wenn ein Krankenwagen zu einem Notfall geschickt wird. Einem Bericht von Eurofunk zufolge sollen alle 800 in Bayern im Einsatz befindlichen Krankenwagen mit telemedizinischen Einrichtungen ausgestattet werden. In Bogen, bei Straubing, wurde des weiteren eine Tele-Notarztleitstelle eingerichtet, und mindestens zwei weitere Standorte sind geplant.
Wer in der deutschen Hauptstadt Berlin lebt oder dorthin pendelt, könnte die Rettungsdienste in Kürze anders als bislang gewohnt alarmieren. Um die gegenwärtig starke Belastung der Berliner Rettungsdienste erheblich zu senken, soll das städtische Rettungsdienstgesetz reformiert werden. Dazu zählt die Einrichtung der zentralen Rufnummer 19 222 als Alternative zur Notrufnummer 112, wobei die Telefonnummer entsprechend der Kategorisierung eines Notfalls verwendet wird. Außerdem soll einer größere Anzahl Menschen in Bezug auf den präventiven Rettungsdienst und die Gesundheitskompetenz geschult werden.
Der Entwurf der Reform des Rettungsdienstgesetzes wurde bereits vom Berliner Senat gebilligt. Nun wird geprüft, ob der Landtag den Änderungen zustimmt und in ein Gesetz umwandelt.
In NRW steht das Deutsche Rettungs-Robotik-Zentrum (DRZ), einer nationale Kompetenzeinrichtung in Dortmund, im Förder-Fokus. Hier finden fortlaufend Weiterentwicklungen statt. Ein vorrangiges Ziel der Arbeit im Zentrum ist die Entwicklung fortschrittlicher Robotersysteme, die dann eingesetzt werden können, um die Rettungs- und Notfalldienste in Krisenregionen und gefährlichen Situationen zu unterstützen.
