Prof. Dr. Mathias Schäfer, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), im Interview über die Perspektiven für 2026.
Welche konkreten Entwicklungen sehen Sie für den Modulbau und das serielle Sanieren in den nächsten Jahren, insbesondere im Jahr 2026?
Prof. Dr. Mathias Schäfer: 2026 kann zu einem entscheidenden Jahr für das serielle und modulare Bauen sowie das serielle Sanieren werden. Denn diese Bauweisen bergen riesiges Potenzial, um den Neubausektor und die energetische Ertüchtigung des Gebäudebestands zukunftsfähig voranzubringen – und zwar kosteneffizient, planungssicher und mit nachweislich hoher Qualität. Gerade der nachwachsende Baustoff Holz wird dabei eine wichtige Rolle einnehmen. Wir sind davon überzeugt, dass der Fertigbau eine wesentliche Stütze für den Gebäudebestand der Zukunft sein und weitere Marktanteile gewinnen wird.
„Viele Kommunen sind zurückhaltend in der Anwendung des §246e, von einem ‚Turbo‘ kann in der Genehmigungspraxis aktuell leider noch keine Rede sein.“

Mit welchen Chancen und Herausforderungen rechnen Sie bei der Umsetzung des Bau-Turbos im Jahr 2026?
Prof. Dr. Mathias Schäfer: Der Bau-Turbo war als Ansatz richtig und wir müssen nun schauen, ob er sich in der Praxis tatsächlich umsetzen lässt. Viele Kommunen sind zurückhaltend in der Anwendung des §246e, von einem „Turbo“ kann in der Genehmigungspraxis aktuell leider noch keine Rede sein. Wir brauchen in den Baubehörden jetzt schnell mutige Entscheidungen, um die drängenden Probleme am Bau- und Wohnungsmarkt anzugehen. Und es braucht weitere Maßnahmen der Bundesregierung, um die träge Baukonjunktur anzukurbeln und schneller neuen Wohnraum zu schaffen.
Welche politischen, technologischen oder wirtschaftlichen Veränderungen sind aus Ihrer Sicht notwendig, um den Modulbau und das serielle Sanieren nachhaltig zu fördern?
Prof. Dr. Mathias Schäfer: Das A und O bleibt der Bürokratieabbau, um Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und Baukosten zu senken. Der baurechtliche Rahmen darf das große Potenzial serieller und modularer Bauweisen nicht ausbremsen. Ihre Skaleneffekte sind umso größer, je weniger Anpassungen die unterschiedlichen Landesbauordnungen und Baubehörden der Kreise und Kommunen fordern. Es muss möglich sein und gelebte Praxis werden, dass ein einmal genehmigtes Gebäude bundesweit ohne aufwendige Genehmigungsverfahren wieder gebaut werden kann. Die öffentliche Hand muss zudem eine Vorbildfunktion bei der Vergabe von Bauaufträgen einnehmen. Die dringend benötigten Schulen, Kitas, Pflegeimmobilien und Kasernen könnten so überall in Deutschland in gleichbleibender Qualität und zu verlässlich kalkulierbaren Kosten entstehen oder energetisch ertüchtigt werden. Das aktuelle Vergaberecht zwingt öffentliche Auftraggeber, Projekte in viele Einzellose zu unterteilen. Unsere Leistung ist aber das gesamte Gebäude – sie lässt sich nicht aufteilen. Deshalb können sich Unternehmen, die seriell oder modular bauen, auf solche Ausschreibungen praktisch nicht bewerben. Von einem gesunden Wettbewerb kann also nicht gesprochen werden, wenn ein erheblicher Teil mittelständischer Unternehmen de facto von vornherein ausgeschlossen ist. Wenn die Politik es mit der Baubeschleunigung ernst meint, muss sie hier handeln.

Wie wird sich in diesem und in den kommenden Jahren der Wettbewerb im Markt für modulares und serielles Bauen entwickeln?
Prof. Dr. Mathias Schäfer: Der Markt für modulares und serielles Bauen wird in den kommenden Jahren wachsen. Der Bedarf an Neubau und Sanierung wird weiter zunehmen, und das präfabrizierte Bauen kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, diesen Bedarf zu decken. Denn die modernen und effizienteren Fertigungsmethoden kompensieren zugleich den immer größer werdenden Fachkräftemangel. Mit diesen Bauweisen lassen sich Bauvorhaben zudem besser planen und dokumentieren sowie durch wiederkehrende Prozesse und Produkte schneller, ressourceneffizienter und kostengünstiger realisieren – bei hoher Qualität und Nachhaltigkeit, wie der deutsche Fertigbau schon seit vielen Jahren als Pionier und Vorreiter unter Beweis stellt. Diesen Erfahrungsschatz bringen wir im Eigenheimbau sowie im Geschosswohnungs- und Objektbau ein.
Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Prof. Schäfer!
Die Fragen stellte Petra Frank, Programm Managerin bmH bauen mit Holz und Mo|u|Se Modulares und serielles Bauen und Sanieren bei RM Rudolf Müller Medien.