Der 464 Seiten starke Band erschien im Juli 2026 als zweite, vollständig überarbeitete Auflage mit dem Untertitel „Serieller Umbau von Wohngebäuden zu Net-Zero-Häusern“ im Fraunhofer IRB Verlag.
Die Autoren Michael Kölmel (auch Herausgeber), Berta Bilger und Ines Kuhl bringen das aktuelle Thema „Serielle Sanierung“ nicht nur als sogenannte Schlüsseltechnologie näher, sondern erläutern in diesem Zusammenhang auch die Historie von Energiesprong, Verbreitung des Konzepts der Seriellen Sanierung sowie die technischen Möglichkeiten, z.B. bei Wandaufbauten oder Bodenanschlüssen, Verschattung, Design, Förderprogramme und Berechnungen sowie auch Besonderheiten in Ausschreibungsverfahren oder bei der Bewertung von Nachhaltigkeitsmaßnamen.

Nach Vorworten des Wuppertal Institut, das die Energiewende und die Erreichung der Klimaziele mittels Serieller Sanierung adressiert, einem weiteren Vorwort, dem des Passivhaus Institut, welches jeden Erneuerungsanlass an Gebäuden zur Nutzung entsprechender energetischer Verbesserung empfiehlt, folgt ein drittes Vorwort – fast könnte man sagen: und man kommt um das Energiesprong-Prinzip naturgemäß bei diesem Thema nicht herum. Genau so ist es, denn folgerichtig stammt dieses weitere autorenfremde Vorwort aus der Feder von dena-Teamleiter Serielles Sanieren, Uwe Bigalke. Er betont den Bestand als zentralen Hebel für die Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor.
Die Herausgeber Michael Kölmel und Klaus Zeller selbst kommen hingegen aus der Praxis des Bauens. Sie halten für realistisch, u.a. mit Serieller Sanierung von den 40 Prozent deutscher CO2-Emissionen durch den Gebäudesektor mit verschiedenen Maßnahmen bis 2045 auf 0 zu kommen. Beide Herausgeber sind Architekten: Kölmel ist zusätzlich Energie-Effizienz-Experte, Passivhausplaner, geschäftsführender Gesellschafter des Büros team:tektura. Zeller ebenfalls Passivhausplaner mit eigenem Architekturbüro. Beide haben mit ihren Büros seit dem Jahr 2024 Konzepte für 1.500 Wohnungen zur seriellen Sanierung entwickelt. 400 Wohnungen seien derzeit im Umbau oder in der Ausschreibung. Viele ihrer Erkenntnisse und Erfahrungen haben sie in das aktualisierte Werk aufgenommen. Der ökologische Schwerpunkt – insbesondere die konsequente Ausrichtung auf Net-Zero und Lebenszyklusanalysen – ist deutlich. Leser:innen sollten sich bewusst sein, dass Kosten- und Marktfragen vor allem im Lichte dieser Ziele diskutiert werden und viele Projekte Pilotprojekte sind. Diese bieten jedoch so viele Anhaltspunkte für die Bewertung eigener Projekte, dass sie für Anwender von Nutzen sein dürften. Die Projekte werden detailreich in Wort und Bild und in großer Tiefe behandelt.
Die erste Online-Ausgabe des Buchs erschien 2024. Dass bereits 2026 eine vollständig überarbeitete Neuauflage nötig ist, als Online- und diesmal auch als Print-Ausgabe, unterstreicht den hohen Wert und die starke Dynamik in diesem Bereich.
Die Zielgruppen
Das Planungshandbuch richtet sich sowohl an Planende als auch an Ausschreibende, sowie auch an ausführende Unternehmen. Somit ist es als Grundlagenwerk zu sehen, das das Verständnis für SerSan-Projekte in allen Facetten ermöglichen könnte. Anschaulich machen dies viele Detailfotografien und Zeichnungen sowie Berechnungen einer Ökobilanzierung (Life Cycle Assessment – LCA) Schritt für Schritt nach DIN EN ISO 14040/44 inklusive der Environmental Product Declaration (EPD). Das Beispiel der elektronisch erfassten Ökobilanz eLCA dürfte Anwendern insbesondere beim Thema Finanzierung und Nachhaltigkeit ein besonders anschauliches Hilfsmittel sein. Lediglich bei den Abbildungen genau in dieser Beispielanwendung ist eine Bild-Unschärfe der Screenshots zu bemängeln, die auf den Buchseiten zwar lesbar, aber leider etwas verschwommen übertragen wurde.
Nachhaltigkeit soll nicht nur Ziel der SerSan-Maßnahmen sein, was die Energieerzeugung und den -verbrauch anbetrifft, die Autor:innen legen ebenso Wert auf die Herkunft und Beschaffenheit der verwendeten Materialien sowie auf deren Haltbarkeit. Diese betrachten sie bei den Außenhüllen wie Wandverkleidungen (Stichwort: Kälte-/Wärmeschutz) ebenso wie bei den Dachkonstruktionen.
„Nice to have“ ist Lebensqualität
Auch ergänzende Bausteine sind genannt. Diese sind beispielsweise Freisitze, zusätzlich gewonnener Wohnraum oder Modernisierungsmaßnahmen von Bädern und Elektroinstallationen, verbesserter Schallschutz, Verschönerungsarbeiten in den Innenräumen, aber auch Verbesserungen im Sinne der Barrierefreiheit, beispielsweise die Ausstattung mit Aufzügen.
Ein umfangreiches Kapitel ist dem Vergleich der Seriellen Sanierung mit der konventionellen Sanierung gewidmet und der Bewertung von Mehrfamilienhäusern auf ihre Eignung zur Seriellen Sanierung. Abschließend erlauben Steckbriefe von geplanten oder bereits umgesetzten SerSan-Projekten eine Einordnung möglicher Planungen.
Orientierung im Buch
Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis gehört wie bei jedem Fachbuch zum Standard und ist auch hier leicht verständlich umgesetzt. Hervorzuheben ist die Orientierung darüber hinaus: Die vielen Praxisbeispiele sind im Buch beim Durchblättern schnell auffindbar, denn sowohl die Namen der durchführenden Firmen, als auch Projektnamen und auftraggebende Wohnungsunternehmen sind in Großbuchstaben gesetzt worden. Vielleser:innen haben diese schnell „im Visier“ und finden sich zurecht. Ein Literaturverzeichnis ist den letzten Seiten angehängt. Im Anhang ist darüber hinaus ein Abkürzungsverzeichnis sowie ein Stichwortverzeichnis aufgeführt.
Im umfangreichsten Kapitel („3. Umsetzungsprojekte in Deutschland"), das fast die Hälfte des Gesamtumfangs ausmacht, findet sich in jedem Teilkapitel, wie zum Beispiel Fassadenkonstruktionen oder Kellerdecken-Dämmung, ein Kurzresümee. Kapitel 4 konzentriert sich auf die Erfahrungen bei der Umsetzung und ordnet diese jeweils den Leistungsphasen zu.
Die Nachhaltigkeitsbewertung hat ebenso ein eigenes Kapitel erhalten wie auch die Baukastenbetrachtung der Autor:innen. Der Baukasten gilt hier als Basis genereller Entwurfsplanung und gliedert sich in die schematischen Aufteilungen von Hülle, Dach und Versorgungstechnik und ggf. ergänzenden Maßnahmen.
Serielle Sanierung noch zu teuer – Chancen aber sichtbar
Die Autor:innen bemerken in ihren Abschlussworten, dass die serielle Sanierung nur langsam Fahrt aufnehme. Da sie häufig mit Holzkonstruktionen ausgeführt werde, habe die Serielle Sanierung auch einen ökologischen Vorteil. Sie konstatieren jedoch auch, dass die Serielle Sanierung im Vergleich mit der konventionellen Sanierung erst wettbewerbsfähig wird, wenn sie durch Vereinfachung und systematische Optimierung kostengünstiger wird. Derzeit ist sie teurer als konventionelle Sanierung und ohne Fördermittel auf dem Markt nicht konkurrenzfähig. Förderungen seien daher weiter wünschenswert und auch eine CO2-Bepreisung könne verhindern, dass die häufig verwendeten WDVS auf die Sanierungsbaustellen kommen und stattdessen ökologisch günstigere Materialien in die Anwendung kommen. Auch die Planungszeit bei SerSan-Projekten ist nicht zu unterschätzen und die ehrlichen Worte der Einordnung informieren offen über den noch nicht finalisiert für jedes Gebäude umsetzbaren, planbaren, wirtschaftlich günstigen Weg einer Seriellen Sanierung. Wer das Buch liest, sollte die dort präsentierten Wirtschaftlichkeitsannahmen mit eigenen Projektdaten abgleichen. Auch sind jeweils mögliche Förderungen sowie etwaige zukünftige CO2-Bepreisungen bei der individuellen Betrachtung zu berücksichtigen.